Gegeben eine holomorphe Abbildung f:XYf : X \rightarrow Y zwischen Riemannschen Flächen X, YX,\ Y, können wir uns fragen: Ist ff eine Überlagerung? Unter welchen hinreichenden oder notwendigen Bedingungen?


Also zunächst mal die Definition von Überlagerung mit der ich hier arbeite:
Eine Abbildung f:XYf : X \rightarrow Y zwischen (zusammenhängenden) topologischen Räumen heißt (holomorphe) unverzweigte Überlagerung, wenn sie ein lokaler Biholomorphismus ist und für jedes y0Yy_0 \in Y eine Umgebung UYU \subseteq Y existiert, sodass f1(U)f^{-1}(U) aus der disjunkten Vereinigung von via ff zu UU biholomorphen Mengen besteht. Die Kardinalität von f1(U)f^{-1}(U) heißt die Blätterzahl der Überlagerung. Klar: eine Überlagerung ist immer surjektiv und offen.

Man spricht von verzweigten Überlagerungen, wenn es Punkte gibt, die keine Umgebung UU haben, sodass für alle Komponenten Kf1(U)K \subseteq f^{-1}(U) gilt fK:KUf|_K : K \rightarrow U Biholomorphismus, sondern fKf|_K lokal von der Form zznz \mapsto z^n mit n>1n > 1. An dieser Definition sieht man gleich, dass jede endliche holomorphe Abbildung eine (verzweigte) Überlagerung ist (siehe lokale Normalform).

Und was heißt nochmal endlich?
Eine Abbildung heißt endlich, wenn sie nur endliche Fasern hat, d.h. für jeden Punkt yYy \in Y ist f1(y)f^{-1}(y) eine endliche Menge (die Faser). Es gibt natürlich auch unendliche Überlagerungen, z.B. exp:HC×\text{exp} : \mathbb{H} \rightarrow \mathbb{C}^\times (dabei ist H\mathbb{H} die obere Halbebene der komplexen Zahlebene).

Verzweigt und unverzweigt:
Wenn man nun eine endliche holomorphe Abbildung f:XYf : X \rightarrow Y zwischen kompakten Riemannschen Flächen X, YX,\ Y hat, so ist dies eine verzweigte Überlagerung, deren Verzweigungspunkte in YY definiert sind als die Punkte, an denen ff lokal kein Biholomorphismus sondern eine Abbildung zznz \mapsto z^n mit n>1n > 1 ist. Diese Menge der Verzweigungspunkte liegt diskret in YY und damit, da YY als kompakt vorausgesetzt wurde, endlich. Bezeichnen wir diese Menge mit SS, dann erhalten wir eine Abbildung fXf1(S):Xf1(S)YSf|_{X\setminus f^{-1}(S)} : X\setminus f^{-1}(S) \rightarrow Y \setminus S. Diese Abbildung ist dann eine unverzweigte Überlagerung.

Was ist daran nun interessant?
Man kann die Theorie der Überlagerungen für die Funktionentheorie bzw. Riemannsche Flächen nutzen. Es stellt sich heraus, dass einige interessante funktionentheoretische Phänomene eigentlich topologischer Natur sind, d.h. z.B. nur vom (topologischen) Geschlecht der betrachteten Flächen abhängen.