Hier ein sehr einfacher Beweis für eine nette Tatsache:

Theorem: Sei ϕ:YX\phi : Y \rightarrow X eine nichtkonstante holomorphe Abbildung zwischen Riemannschen Flächen und y0Yy_0 \in Y sowie x0:=ϕ(y0)x_0 := \phi(y_0) gegeben. Dann gibt es Karten pY:UCp_Y : U \rightarrow \mathbb{C} mit y0Uy_0 \in U und pY(y0)=0p_Y(y_0)=0 sowie pX:VCp_X : V \rightarrow \mathbb{C} mit x0Vx_0\in V und pX(x0)=0p_X(x_0)=0 und ϕ(U)V\phi(U) \subseteq V sodass ϕ\phi lokal ausgedrückt (pXϕpY1)=(zzn)(p_X \circ \phi \circ p_Y^{-1}) = (z\mapsto z^n) ist. Dieses nNn \in \mathbb{N} hängt nicht von der Wahl der Karten ab. Man definiert die Ordnung ordy0(ϕ):=n\text{ord}_{y_0}(\phi) := n.

Was ist eine Karte?
Hier empfehle ich den Wikipedia-Artikel "Mannigfaltigkeit" (keine schwere Kost).

Was ist eine Riemannsche Fläche?
Eine komplexe (holomorphe) Mannigfaltigkeit von Dimension 1, also etwas dass lokal aussieht wie die komplexe Ebene C\mathbb{C}, mit biholomorphen Kartenwechselhomöomorphismen. Man stelle sich also "Ebenenstücke" vor, die miteinander verklebt sind (in holomorpher Art und Weise, also dass die Verklebung überall lokal mit Hilfe einer Potenzreihe berechnet werden kann). Einfache Beispiele sind die komplexe Ebene selbst, eine Kugeloberfläche und ein Donut.

Was heißt hier holomorph?
Eine Abbildung f:GCf:G \rightarrow \mathbb{C}, mit GCG \subseteq \mathbb{C} offen und zusammenhängend, heißt holomorph, wenn man sie an jedem Punkt zGz\in G lokal in eine Potenzreihe entwickeln kann. Eine Abbildung ϕ:YX\phi : Y \rightarrow X heißt nun holomorph, wenn für jede Karte pX:VCp_X : V \rightarrow \mathbb{C} von XX und jede Karte pY:UCp_Y : U \rightarrow \mathbb{C} von YY mit ϕ(U)V\phi(U) \subseteq V die Verknüpfung pXϕpY1:pY(U)pX(V)p_X \circ \phi \circ p_Y^{-1} : p_Y(U) \rightarrow p_X(V) holomorph ist.

Und was ist mit den konstanten Abbildungen?
Ganz einfach: konstante Abbildungen hh sehen lokal aus wie die konstante 00-Funktion, also kann man für beliebige nn schreiben: h(z)=znh~zh(z) = z^n \tilde{h} z mit einer holomorphen Funktion h~\tilde{h}. Daraus ergibt sich, dass man die Ordnung einer konstanten Abbildung als ordp(h):=\text{ord}_p(h) := \infty definieren sollte.

Was ist nun so nett daran?
Nun, wenn man mit einer Abbildung zwischen Mannigfaltigkeiten arbeitet, ist es oft praktisch, Karten zu wählen und in Koordinaten lokal nachzurechnen. Dieses Theorem sagt einem, dass man für holomorphe Abbildungen ϕ\phi zwischen Riemannschen Flächen eben nur die Funktion $z \mapsto z^n$ verstehen muss, um ϕ\phi lokal zu verstehen.

Und der Beweis?
Erstmal gibt es ja Karten pY:UCp'_Y : U \rightarrow \mathbb{C} mit y0Uy_0 \in U und pY(y0)=0p'_Y(y_0)=0 sowie pX:VCp'_X : V \rightarrow \mathbb{C} mit x0Vx_0\in V und pX(x0)=0p'_X(x_0)=0.
Wieso? Wenn pY(y0)0p'_Y(y_0) \neq 0, kann man die Karte um eine Translation pY(y0)-p'_Y(y_0) ergänzen und erhält die Karte pY(y)=pY(y)pY(y0)p''_Y(y)=p'_Y(y)-p'_Y(y_0) mit pY(y0)=0p''_Y(y_0)=0; analog natürlich für pXp'_X. Die Eigenschaft ϕ(U)V\phi(U) \subseteq V erreicht man dadurch, dass man statt einem beliebigen VV einfach V:=Vϕ(U)V' := V \cap \phi(U) betrachtet. Diese Menge VV' enthält auf jeden Fall x0x_0, denn das ist ja in VV und ausserdem ϕ(y0)\phi(y_0). Da Karten auf offenen Mengen definiert sind, wählen wir dann noch VV'', eine Umgebung von x0x_0 in VV'.

Damit haben wir nun also Karten pYp'_Y und pXp'_X definiert. Darin lokal ausgedrückt nimmt ϕ\phi diese Form an: pXϕpY1:zh(z)p'_X \circ \phi \circ {p'_Y}^{-1} : z \mapsto h(z) wobei hh eine holomorphe Funktion mit h(0)=pX(ϕ(pY1(0)))=pX(ϕ(y0))=pX(x0)=0h(0) = p'_X(\phi({p'_Y}^{-1}(0))) = p'_X(\phi(y_0)) = p'_X(x_0) = 0 ist. Eine holomorphe Funktion, die 00 auf 00 abbildet ist eine, deren Reihenentwicklung bei 00 keinen konstanten Term hat. Man kann also auch schreiben: h(z)=zh~(z)h(z) = z \cdot \tilde{h}(z) wobei h~\tilde{h} nun wieder eine holomorphe Funktion ist. Man kann nun untersuchen, ob auch h~\tilde{h} die 00 auf die 00 abbildet und gegebenenfalls noch ein zz vorneweg schreiben, usw. Irgendwann ist aber Schluss, es sei denn, hh ist die konstante Nullfunktion. Wir nennen nun h~\tilde{h} die Funktion, die 00 nicht auf 00 abbildet und h(z)=znh~(z)h(z)=z^n\cdot \tilde{h}(z) erfüllt. Man beachte, dass h~\tilde{h} auch eine kleine Umgebung der 00 auf eine Menge abbildet, die die 00 nicht enthält. Somit gibt es einen holomorphen Zweig des Logarithmus von h~\tilde{h}, und somit eine nn-te Wurzel, nennen wir sie gg. Damit alles passt, verkleinern wir notfalls UU und VV, damit gg auf ganz pY(U)p_Y'(U) definiert ist. Wir haben bis jetzt ϕ\phi lokal geschrieben als z(zg(z))nz \mapsto (zg(z))^n.

Daraus werden nun die Karten pYp_Y und pXp_X gebastelt. Die Abbildung g~:=zzg(z)\tilde{g} := z \mapsto zg(z) ist biholomorph in einer Umgebung der 00, also können wir sie in eine Karte mit reinschreiben: pY:=g~pYp_Y := \tilde{g} \circ p'_Y und pX:=pXp_X := p'_X. In den neuen Karten ist ϕ\phi beschrieben durch zznz \mapsto z^n.

Die Unabhängigkeit von den Karten sieht man leicht: Wenn man zwei verschiedene Paare von Karten mit n1,n2n_1,n_2 hat, muss auf dem Schnitt (der nichtleer ist, beide enthalten ja y0y_0 bzw. x0x_0) bereits n1=n2n_1 = n_2 gelten.